Donnerstag, 18. August 2016

Bischof Erwin Kräutler erhält Memminger Freiheitspreis

Memminger Kurier, 17.08.16
Öffentliche Preisverleihung auf dem Marktplatz
Bischof Erwin Kräutler erhält Memminger Freiheitspreis
Memmingen - Der katholische Bischof Dr. Erwin Kräutler soll am 25. September mit dem „Memminger Freiheitspreis 1525“ ausgezeichnet werden. Der 77-jährige Geistliche war bis 2015 Bischof von Xingu, einer Diözese in Brasilien, die ungefähr so groß ist wie ganz Deutschland. Bischof Kräutler kämpft seit Jahrzehnten für Gerechtigkeit und Freiheit in Lateinamerika.


Als Geistlicher stellt er sich an die Seite der indianischen Ureinwohner und setzt sich für den Erhalt des Amazonas-Urwalds ein. In Vorträgen und Predigten, auf Konferenzen und in vielen Gremien macht er auf den Überlebenskampf der indigenen Völker in Lateinamerika aufmerksam und prangert Ausbeutung und Zerstörung des Amazonas-Gebietes zu Zwecken der Energiegewinnung an. Bischof Kräutler gehört zur Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut, die auch in Maria Baumgärtle (Breitenbrunn) wirken.
Am Sonntag, 25. September, wird er um 15:30 Uhr auf dem Memminger Marktplatz den Freiheitspreis aus den Händen von Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger entgegennehmen. Die Laudatio wird der evangelische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende, Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, halten. Gestaltet wird der öffentliche Festakt mit einer szenischen Verlesung der Zwölf Bauernartikel von 1525, auf denen der Freiheitspreis gründet. Die Tanzgruppe des Bernhard-Strigel-Gymnasiums wird das Thema Freiheit mit dem Tanz „Gier-Macht-Ohnmacht“ interpretieren. Die musikalische Gestaltung liegt bei der Memminger Stadtkapelle, dem Allgäuer Bauernchor und dem Bläserchor von Sankt Martin. Alle Bürgerinnen und Bürger sind zur Preisverleihung eingeladen. Es gibt ausreichend Sitzplätze auf dem Marktplatz. Bei Regen findet die Preisverleihung in der Kirche Sankt Josef statt.
Gedanken zur Freiheit referiert auch Prof. Dr. Hans Maier, bayerischer Kultusminister a.D., in einem Vortrag über Romano Guardini am Freitag, 23. September, um 19 Uhr in der Kirche Sankt Johann (am Marktplatz). Der Titel des Vortrags lautet „Romano Guardini und das „Memminger Triduum. Eine Erinnerung an 1945“. Das Rahmenprogramm zur Vergabe des „Memminger Freiheitspreises 1525“ wird abgerundet durch den Film „Count-Down am Xingu V“, der am Samstag, 24. September, um 18 Uhr im Kaminwerk gezeigt wird. Der erst im Juli 2016 uraufgeführte Film des Frankfurter Dokumentarfilmers Martin Keßler zeigt den Kampf gegen Megastaudämme und Korruption in Brasilien und dokumentiert nicht zuletzt Bischof Kräutlers Einsatz gegen die Entrechtung der Menschen im Amazonasgebiet. (MK)


Memmingen - Stadt mit Perspektiven

Memminger Freiheitspreis 1525

Freitag, 5. August 2016

Umweltbehörde IBAMA verbietet Riesenstaudamm am Rio Tapajos

ORF, 5.8.2016
Offene Fragen nach Ökoveto
Das größte Infrastrukturprojekt Brasiliens, ein gigantisches Wasserkraftwerk im Amazonas-Gebiet, darf nicht verwirklicht werden. Die brasilianische Umweltbehörde IBAMA verweigert die notwendige Umweltlizenz, wie in der Nacht auf Freitag bekanntgegeben wurde. Das Projekt Sao Luiz do Tapajos hätte das Ökosystem stark beeinflusst und dem indigenen Stamm der Munduruku die Lebensgrundlage entzogen.


Zeit Online, 5.8.2017
Umweltbehörde verhindert Brasiliens größten Staudamm
Kurz vor Olympia haben Umweltschützer und Indigene in Brasilien einen wichtigen Sieg errungen. Ein geplanter Staudamm von der Größe New Yorks darf nicht errichtet werden.

Handelsblatt, 5.8.2016
Brasilien gibt Mega-Staudammprojekt auf
Brasilien stoppt ein geplantes Kraftwerk im Amazonas. Ein Sinneswandel in der Regierung? Keineswegs. Der neue Präsident will pünktlich zu den Olympischen Spielen als Umweltschützer punkten. Zudem ist der Staat pleite.

Greenpeace, 5.8.2016
Aus für Megastaudamm im Amazonas
Der umstrittene Megastaudamm São Luiz do Tapajós im Herzen des brasilianischen Amazonas wird nicht gebaut. Das hat die brasilianische Umweltbehörde IBAMA gestern bekannt gegeben. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace zeigt sich hoch erfreut über die Entscheidung. Sie folgt einer monatelangen Greenpeace-Kampagne gegen den Bau des Staudammes, der verheerende Auswirkungen für die Natur mit sich gebracht hätte. Auch die Heimat der indigenen Gemeinschaft der Munduruku war durch das Projekt bedroht.

Folha de S. Paulo, 4.8.2016
Ibama nega licença para construção de hidrelétrica no rio Tapajós

O Globo, 4.8.2016
Ibama nega licença ambiental de hidrelétrica no rio Tapajós
Índios e ambientalistas comemoram a decisão divulgada nesta quinta-feira

G1 Globo, 4.8.2016
Ibama arquiva licença ambiental para hidrelétrica São Luiz do Tapajós
Presidente aceitou recomendação do comissão de licenças ambientais.
Projeto apresenta impedimentos em questões indígenas, diz Obama.

Notícias sobre o Complexo Tapajós do MAB Amazôniâ

Donnerstag, 28. Juli 2016

Bischof Kräutler in Sorge über Entwicklung in Brasilien

Kathpress, 28.07.2016
Bischof Kräutler in Sorge über Entwicklung in Brasilien
Sportevents wie Fußball-WM 2014 und Olympia 2016 seien nur "Panem et Circenses", die von Krise in Brasilien ablenken sollen - Auch Erzbischof Paloschi traut politischer Elite nichts zu

Wien, 28.07.2016 (KAP) Sorge über die Entwicklung in seiner Wahlheimat Brasilien hat der emeritierte Bischof von Altamira-Xingu, Erwin Kräutler, mehrfach im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro geäußert. Während der Spiele könnten unterschiedliche Gruppierungen die Gelegenheit nutzen, um "auf die Barrikaden zu steigen, weil dann die ganze Weltöffentlichkeit auf Brasilien schaut" - was angesichts der "politische, wirtschaftliche und moralische Krise" nicht verwunderlich wäre, kritsierte Kräutler gegenüber österreichischen Medien mehrfach die politische Elite des Landes.

Ausschreitungen in dem derzeit sehr polarisierten Land seien zu befürchten, man wisse nicht, wie Polizei und Militär darauf reagieren. Themen wie politische Korruption, Zika-Virus und Politikverdrossenheit haben nach den Worten des Bischofs das Großevent Olympia überlagert. Die enorme Politikverdrossenheit in Brasilien könne Kräutler angesichts vieler Skandale nachvollziehen, sie sei aber auch "gefährlich für die Demokratie". Medien und Justiz hätten ihre politische Unabhängigkeit aufgegeben, Politiker aller Parteien seien in Korruptionsskandale verstrickt.

Diese Fehlentwicklungen begannen laut Kräutler bereits unter Präsident Lula da Silva, unter dessen Nachfolgerin und politischen "Ziehtochter" Dilma Rousseff - im Mai für sechs Monate von ihrem Amt suspendiert - sei die Lage noch schlimmer geworden. Jedoch sei die Opposition "keineswegs vertrauenswürdiger", schränkte der Bischof ein. "Ich kann im Moment absolut niemanden im politischen Szenario Brasiliens ausmachen, der oder die für mich wählbar wäre." Insgesamt blicke Brasilien in eine "düstere Zukunft", prognostizierte Kräutler: "Es ist ein Riesenproblem, wie es weitergeht. Es wird Jahre dauern, bis eine neue Riege an Politikern da ist."

Sportliche Großereignisse wie die Fußball-WM 2014 und Olympia in Rio 2016 sieht der Bischof als Fortsetzung von "Panem et Circenses" (Brot und Spiele), mit denen schon im alten Rom die Bevölkerung "politisch mundtot" gemacht werden sollte. Die genannten Events sollen nach den Worten Kräutlers "von der Krise ablenken, in der Brasilien steckt".

"Olympia auf Kosten der Armen und der Jugend"

Aus der Sicht des Nachfolgers von Bischof Erwin Kräutler als Präsident des brasilianischen Indianermissionsrates CIMI, Erzbischof Roque Paloschi aus Porto Velho, tobt in Brasilien im Vorfeld der olympischen Spiele ein "Krieg der Auslöschung der Armen und der Jugend". Paloschi bezog sich damit in einem "Kathpress"-Interview anlässlich eines Österreich-Besuchs Mitte Juli auf die vielen Menschenrechtsverletzungen, die im Zuge der Vorbereitungen auf Olympia 2016 täglich passieren.

Von den politischen Entscheidungsträgern erwarte sich der Bischof auch angesichts der Umwälzungen in den letzten Monaten keine Unterstützung. Es gebe nur sehr wenige im Parlament, die auf der Seite der Armen stünden. Die Politiker, die während der Suspendierung von Dilma Rousseff das Ruder übernahmen, bezeichnete er als "Mehl vom gleichen Sack". Sie würden den Verfall der sozialen Rechte weiter betreiben.


Erzdiözese Wien, 24.7.2016
Kräutler-Nachfolger: "Es tobt Krieg in Brasilien vor Olympia"
CIMI-Präsident Paloschi bei Fachtagung Weltkirche in Lambach: Im Zuge der Vorbereitungen auf Spiele viele Menschenrechtsverletzungen auf Kosten der Armen und der Jugend.


Thema "Olympia 2016" bei Kooperation Brasilien

Mittwoch, 20. Juli 2016

Sommergespräch mit Bischof Erwin Kräutler


Liechtensteiner Volksblatt, 19.7.2016
Bischof Erwin Kräutler: «Kontakt zu Flüchtlingen entschärft emotionell geladene Situationen»
«Habe Mut», lautet der Titel des neusten Buches von Bischof Erwin Kräutler. Mut hat der Vorarlberger, der gerne auch in Liechtenstein zu Gast ist, in seinem Leben mehrfach bewiesen. Im Kampf um das Land am Amazonas wurde er eingesperrt, geprügelt und fast getötet. Jetzt lebt er unter Polizeischutz, den Mut hat er trotzdem nicht verloren – im Gegenteil, er fordert andere auf, mutiger zu sein. Auch an Ruhestand denkt er noch lange nicht.


Verein für eine offene Kirche